20 Jahre Tierschutz, 10 Jahre Schneverdingen: Wenn Zahlen Geschichten von Leben, Liebe und Abschied erzählen
Wer an De Hun’nenhoff denkt, denkt an glückliche Rolli-Hunde, die über dden Hof sausen, an lautes, lebensfrohes Bellen und an einen Ort, an dem das Unmögliche möglich gemacht wird. Seit mittlerweile 10 Jahren sind wir fest an unserem Standort in Schneverdingen verwurzelt – das Ergebnis von nunmehr 20 Jahren unermüdlicher, aufopferungsvoller Tierschutzarbeit unserer Gründerin Dr. Usha Peters.
Seit 2018 gibt es uns offiziell als Stiftung. Doch die nackten Stiftungsbilanzen auf dem Papier sind in Wahrheit nur ein kleiner Ausschnitt eines riesigen Eisbergs. Sie sind das stellvertretende Beispiel für zwei Jahrzehnte, in denen unzählige Tiere durch unsere Hände gingen. Zwei Jahrzehnte, in denen unfassbar viele Kämpfe ausgefochten wurden. Hinter dem Hof steht eine gigantische Lebensleistung – und ein ununterbrochener, bedingungsloser Einsatz um jedes einzelne Leben.
Ein Bruchteil der Geschichte: Die Hunde der Stiftungsjahre
Um zu verstehen, welche emotionale Wucht hinter unserer Arbeit steckt, reicht schon ein Blick auf die reine Stiftungsbilanz von 2019 bis Ende 2025: In diesen wenigen Jahren haben wir 105 Hunde neu bei uns aufgenommen. Hunde wie Abby, die nach einem Bandscheibenvorfall aufgegeben wurde, oder Notfälle aus dem Ausland, die andernorts absolut chancenlos gewesen wären.
Gleichzeitig durften wir 46 Hunde in ein neues, eigenes Zuhause vermitteln. Jede einzelne Vermittlung ist für uns ein riesiges Fest – ein Moment, in dem ein gehandicapter oder alter Hund beweist, dass es sich lohnt, niemals die Hoffnung aufzugeben.
Doch zur Wahrheit gehört auch die schmerzhafteste aller Zahlen: 64 Hunde haben uns in dieser Zeit für immer verlassen. 64-mal mussten wir ein geliebtes Familienmitglied auf seinem letzten Weg begleiten. Wenn man das nun auf die gesamten 20 Jahre Tierschutz hochrechnet, erahnt man erst, wie viele hunderte Schicksale diesen Ort geprägt haben.
Ein sicherer Hafen für alle: Katzen, Pferde und gerettete Weihnachtsgänse
Doch der Hun’nenhoff ist viel mehr als ein Hunde-Hof. Er ist ein Zufluchtsort für fast jede Seele, die Schutz braucht. Unsere Samtpfoten bilden eine feste, treue Konstante auf dem Hof. Auch hier geht es um Einzelschicksale: Katzen, die chronisch krank sind oder nach Unfällen besondere Pflege brauchen, finden bei uns ein dauerhaftes, sicheres Körbchen.
Auf unseren Weiden stehen stolze Pferde, die bei uns ihren wohlverdienten Lebensabend genießen dürfen – oft gut untergebracht auf liebevollen Partnermessestellen oder direkt bei uns, wo sie die Ruhe bekommen, die sie brauchen. Und wer erinnert sich nicht an Gans Martina? Sie wurde quasi in allerletzter Sekunde vor dem Ofen gerettet und durfte bei uns zeigen, dass auch eine Gans ein Charakterkopf mit Recht auf Leben ist. Ob Schafe, Puten, Enten oder Hühner: Sie alle beleben diesen Hof und fressen uns – im wahrsten Sinne des Wortes – die Haare vom Kopf.
Der Preis der Würde: Bauliche Kraftakte im Hintergrund
Damit all diese Tiere überhaupt so unbeschwert leben können, müssen im Hintergrund im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzt werden. Ein Tierschutzhof für gehandicapte Tiere ist niemals "fertig". In den letzten Jahren haben unsere angestellten Handwerker Unglaubliches geleistet: Es wurden neue, barrierefreie Ausläufe geschaffen und bestehende Schutzhütten von Grund auf saniert oder neu gebaut. Ein absoluter Meilenstein war der Bau und die Einrichtung unseres eigenen Physiohauses, damit unsere Rolli-Hunde die lebensnotwendige Therapie direkt vor Ort bekommen. Auch die Logistik ist enorm: Wer täglich bergeweise Decken, Handtücher und Inkontinenzunterlagen waschen muss, weiß, was es bedeutet, wenn eine neue Waschküche mit Industriewaschmaschinen geplant und errichtet wird. Jedes reparierte Dach, jeder neue Zaun und jede schwellenlose Rampe ist ein hart erkämpfter Sieg für die Lebensqualität unserer Tiere.
Das schlagende Herz: Mitarbeiter und das unbezahlbare Ehrenamt
All diese Kämpfe, die schlaflosen Nächte und die tägliche, intensive Pflege wären vollkommen unmöglich ohne die Menschen, die diesen Hof tragen. Unsere festangestellten Mitarbeiter sind jeden Tag an der Front: Sie pflegen, füttern, verabreichen Medikamente, reinigen Wunden und geben Liebe, wenn die Welt draußen düster war. Sie sind Profis mit riesigem Herzen.
Und an ihrer Seite steht unser unbezahlbares Netzwerk der Ehrenamtlichen. Die Menschen, die bei Wind und Wetter, bei Regen oder sengender Hitze herkommen, um mit unseren Hunden Gassi zu gehen. Die Menschen, die bei jedem Baueinsatz die Schaufel in die Hand nehmen, die Kuchen für unsere Besuchertage backen oder auf Flohmärkten und Messen stehen, um Spenden zu sammeln. Ohne diesen unermüdlichen Einsatz unserer Community gäbe es den Hun’nenhoff schlichtweg nicht.
Warum jeder Tag zählt
20 Jahre Tierschutz und 10 Jahre Schneverdingen bedeuten tausende schlaflose Nächte, unzählige emotionale Momente, Tränen des Glücks und Tränen des Schmerzes. Wir sind kein Abstellgleis. Wir sind ein Bahnhof des Lebens, an dem Züge ankommen, manche in ein neues Glück weiterfahren und andere am finalen Ziel in Frieden anhalten dürfen.
Spezialfutter, Dauermedikamente, aufwendige Operationen und der individuelle Bau von Rollwagen kosten Jahr für Jahr ein kleines Vermögen. Doch der Wert unserer Arbeit lässt sich nicht in Euro messen. Er misst sich in dem Moment, in dem ein totgesagter Hund das erste Mal im Rollwagen losflitzt und Lebensfreude aus jeder Pore sprüht.
Danke, dass ihr uns auf dieser emotionalen, oft schweren, aber wunderschönen Reise seit so vielen Jahren begleitet, jeden Abschied mit uns betrauert, jeden baulichen Meilenstein mitfinanziert und jeden Neuanfang feiert. Auf die nächsten Jahre voller Herzblut!

